Kreispokal Frankfurt – Rot-Weiss dreht Pokalfight gegen Türkgücü – Tumulte nach dem Abpfiff

Frankfurt – Titelverteidiger Rot-Weiss Frankfurt steht zum zweiten Mal in Folge im Endspiel des Frankfurter Fußball-Kreispokals. Der Verbandsligist setzte sich am Dienstagabend gegen den ambitionierten Kreisoberligisten TSKV Türkgücü mit 3:2 durch, nachdem der Favorit zur Halbzeit mit 0:2 zurückgelegen hatte. Der Finalgegner der „Roten“ wird am 17. März in einem internen Kreisoberliga-Duell zwischen dem FC Tempo und dem FC Kalbach ermittelt.


Diese Botschaft geriet nach dem Abpfiff leider vollends in Vergessenheit.

SG Rot-Weiss Frankfurt – TSKV Türkgücü Frankfurt 3:2 (0:2)

In einem spektakulären, hochklassigen und dramatischen Pokalfight vor über 200 Zuschauern im Stadion am Brentanobad ging Türkgücü schon nach 44 Sekunden in Führung. Torjäger Emin Yalin umkurvte Rot-Weiss-Tormann Daniel Duschner und schob ein. Der auf dem Papier existierende Unterschied von zwei Klassen war nicht zu erkennen, die Gäste dominierten im ersten Abschnitt, hatten Pech mit einem Pfostenschuss von Fiorenzo Santoro und erhöhten durch Semih Aydilek auf 2:0 (25.). Nach dem Seitenwechsel änderten sich die Kräfteverhältnisse, denn Rot-Weiss setzte nun zu einem Sturmlauf an, während Türkgücü merklich abbaute. Schnell gelang Hasan Demir der Anschlusstreffer (50.). Und dann kam die Zeit von Ex-Profi Mohamadou Idrissou, der erst per Kopfball ausglich (56.) und dann auf Zuspiel von Belmin Müller den Siegtreffer markierte (85.). Ein nicht gegebener Elfmeter für die Gäste sowie die letzte vergebene Chance von Baris Odabas sorgte für Frustfaktor bei Türkgücü. In der Nachspielzeit erhielten gleich drei Türkgücü-Spieler wegen Reklamationen die Gelb-Rote Karte. Betroffen waren Yalin (90.+1), Aydilek (90.+2) und Kapitän Romal Naziri (90.+3). Nach dem Abpfiff propagierten die Protagonisten genau das Gegenteil von dem, wozu sie vor der Partie mit einem gemeinsamen Bild und der Botschaft „Sport vereint – Gemeinsam gegen Gewalt“ aufgerufen hatten. Zuschauer aus beiden Lagern stürmten den Platz, die Akteure verloren in der Rudelbildung die Übersicht. Es folgten sinnloses Palaver, gegenseitige Provokationen und Rennereien, leider war auch ein Star wie Idrissou mittendrin und musste von seinem Trainer zur Raison gebracht werden.

Ein gewaltbereiter Anhänger, mutmaßlich aus dem Spektrum der Gäste, verpasste dann dem schon umgezogenen Rot-Weiss-Spieler Canel Burcu einen Schlag ins Gesicht und musste danach von weiteren Gewalttaten mühsam abgehalten werden. Szenen, die keiner sehen will und doch verstärkt vorkommen. Innerhalb von nur zwei Tagen war das nun schon der dritte unrühmliche Vorfall in unserem Frankfurter Kreis-Fußball. Einige bewegen sich da momentan auf dünnem Eis. Und da nützt es nichts sich hinterher beschwichtigend zu melden und zu relativieren, dass doch eigentlich gar nichts passiert sei. Ist es doch und jeder Fall dieser Art ist einer zu viel. Sinnlos ist es auch, immer anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Da meldete sich doch tatsächlich ein Funktionär der am Spielabbruch am Sonntag beteiligten Clubs (Griesheim Tarik und der FC Maroc sind übrigens bis zur Sportgerichtsverhandlung temporär gesperrt) und behauptete, die Berichterstattung in der Zeitung und in diesem Blog sei übertrieben und maßgebend für diese Verbandsentscheidung gewesen. Ist sie nicht, denn dieses Prozedere ist in einem solchen Fall durchaus üblich, bis der oder die Verursacher des Abbruchs ermittelt sind. Schiedsrichter, Gegner, Presse – immer tragen andere die Schuld. Selbstkritik Fehlanzeige! Einige Sportkameraden sind durchaus gut beraten, mal in sich zu gehen und sich zu hinterfragen, ob es so wirklich weiter gehen kann.

Caner Zehir: „Ich unterstütze solche Vorkommnisse nicht, der Fußballplatz ist nicht die Straße“

Nach diesem Kommentar in diesem Blog, der weiterhin ein Service für die Vereine bleibt und von einer einzelnen Person aus Leidenschaft für die Sache am Leben gehalten wird, möchte ich Euch die Stimmen zum Pokalspiel der beiden Trainer nicht vorenthalten. Türkgücü-Trainer Caner Zehir sagte zum Spielverlauf: „Die erste Halbzeit war super, damit war ich sehr zufrieden. Die Mannschaft hat alles erfüllt was man gegen einen Verbandsligisten erfüllen kann. In der zweiten Halbzeit haben wir am Anfang den Faden verloren. So haben wir zwei schnelle Tore kassiert. Wir haben uns dann wieder gefunden. Ich finde wir hätten den Elfmeter kriegen sollen. Rot-Weiss hat aufgrund der zweiten Halbzeit verdient gewonnen. Zum Chaos nach dem Abpfiff: „Das unterstütze ich nicht bei meiner Mannschaft. Jeder zieht das Trikot an, weil es ein Sport ist. Emotionen ja, aber der Fußballplatz ist nicht die Straße. Das ist sehr traurig, dass bei uns oder bei anderen Vereinen verbale Ausfälle passieren. Das ist halt nun mal der Fußball. Das passiert nicht nur bei Amateuren, das sehen wir auch in der Bundesliga oder bei anderen Profis. Fußball ist ein heißblütiger Sport, aber ich unterstütze solche Vorkommnisse nicht.“ Rot-Weiss Trainer Slobodan Komljenovic zum Fazit: „Das ist ganz einfach. Erste Halbzeit keine Einstellung und Bezug zum Spiel. Kein Zugriff, wir dachten die unterklassige Mannschaft, das geht mit links. Dann haben wir umgestellt und die Mannschaft ein bisschen heiß gemacht. Ich denke, mit den physischen Vorteilen haben wir das am Ende noch gedreht.“

Über die bekannte Qualität des Gegners: „Ich habe das meiner Mannschaft alles erzählt. Es kann mal passieren, dass nicht zugehört wird. Dann kommt so eine erste Halbzeit raus wie bei uns heute. Der Gegner ist gut und hat individuelle Klasse. Die brauchen nicht viele Torchancen um Tore zu machen. Nur war ich relativ deutlich in der Halbzeit. Man kann verlieren, aber indem man vollen Einsatz zeigt und alles versucht. Das haben wir dann in der zweiten Halbzeit gemacht und es dann verdient gedreht.“ Zu Mo Idrissou: „Er war voll da, aber in der ersten Halbzeit fehlten ihm die Flanken und Zuspiele in den Sechzehner. Er ist kein Spieler, der groß Drumherum spielt. Wenn er im Sechzehner steht, dann geht er rein. Beim Kopfballtor steht er 2, 50 Meter in der Luft. Deswegen haben wir ihn geholt, das haben wir uns von ihm erhofft.“ Zu den Tumulten: „Eigentlich total unnötig! Die haben doch eine Super Leistung hier gezeigt und unglücklich verloren. Da muss man doch mal mit einer Niederlage leben können und nicht einfach immer den Schiedsrichter angehen, der in keinster Weise schuld war. Mein Gott, die Mentalität südlich des Balkans ist eben etwas aufbrausend, aber so weit darf es natürlich nicht kommen.“ Zum Wunschgegner im Endspiel: „Ich spiele immer noch ab und zu bei Tempo in der SOMA. Der Gegner ist mir eigentlich egal. Wir sind wieder im Finale, das war unser Ziel. Die Gegner kann man sich nicht aussuchen. Kalbach und Tempo sind zwei sehr starke Mannschaften, Zweiter und Dritter in der KOL. Das Spitzenspiel ging 1:1 aus. Das wird ein sehr schwieriges Finale, egal wer es wird.“

Schiedsrichter: Simon Henninger (Bad Soden am Taunus).
Zuschauer: 207.
Tore: 0:1 Emin Yalin (1.), 0:2 Semih Aydilek (25.), 1:2 Hasan Demir (50.), 2:2, 3:2 Mohamadou Idrissou (56./85.).
Gelb-Rote Karten: Emin Yalin (90./+1), Semih Aydilek (90./+2), Romal Naziri (90./+3, alle Türkgücü).


Chaos nach dem Abpfiff. So mancher benahm sich leider daneben.


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